Polizei Berlin zieht Bilanz zur Versammlungslage am 1. Mai 2026
#Berlin –
Berlin erlebte gestern einen weitestgehend störungsfreien Maifeiertag mit mehr als 90 durchgeführten Versammlungen, an denen insgesamt über 70.000 Personen vom frühen Morgen bis in die späte Nacht teilnahmen.
Unter Führung der Polizeidirektion Einsatz und Verkehr waren anlässlich der Versammlungslage über 5.300 Einsatzkräfte über den Tag verteilt bis in die frühen Morgenstunden des 2. Mai im gesamten Stadtgebiet eingesetzt. Mehr als 2000 Polizistinnen und Polizisten aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen, sowie Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei unterstützten mit Personal, Logistik und polizeilicher Technik.
Wie auch im Vorjahr waren die großen Grün- und Erholungsanlagen ganztägig stark ausgelastet und mit feierndem Publikum gefüllt. Zeitweise war die Anzahl der Besucherinnen und Besucher im Görlitzer Park so hoch, dass eine temporäre Sperrung der gesamten Eingänge notwendig wurde, sodass lediglich ein Passieren der Tore zum Verlassen des Parks möglich war. In Abstimmung mit der Berliner Feuerwehr wurden zudem zwei Verletztensammelstellen im Nahbereich eingerichtet.
In den Vormittagsstunden startete gegen 11 Uhr die traditionelle Demonstration der Gewerkschaften zum 1. Mai auf dem Strausberger Platz und erreichte den Endplatz am Roten Rathaus mit in der Spitze rund 7000 Personen. Am Roten Rathaus schlossen sich Aufzugsteilnehmerinnen und -teilnehmer einer bereits seit 11 Uhr laufenden Kundgebung an, sodass in der Spitze rund 7100 Personen an der gemeinsamen Kundgebung teilnahmen, die um 15 Uhr beendet wurde.
Von etwa 10 Uhr bis etwa 12:45 Uhr fuhren in der Spitze circa 3500 Radfahrerinnen und Radfahrer als Fahrradkorso vom Platz des 18. März ohne Vorkommnisse bis zum Bismarckplatz im Ortsteil Grunewald. Zuvor hatten sich Radfahrerinnen und Radfahrer zweier weiterer Fahrradkorsos, die auf dem Falkplatz im Prenzlauer Berg und auf dem Hermannplatz in Neukölln gestartet waren, mit rund 900 Personen dem Fahrradkorso nach Grunewald angeschlossen.
Auf dem Johannaplatz versammelten sich gegen 13 Uhr dann rund 1200 Personen im selben Ortsteil zu einer neuen Versammlung, die gegen 17:30 Uhr beendet wurde.
Gegen 16 Uhr versammelten sich auf dem Bismarckplatz rund 4200 Personen, die dann als Fahrradaufzug über die BAB 100 zur Oranienstraße/Stallschreiberstraße fuhren und dort den Aufzug gegen 18 Uhr störungsfrei beendeten.
Gegen 15:45 Uhr begann auf dem Oranienplatz der Aufzug mit der Bezeichnung „Revolutionärer 1. Mai – Freiheit. Frieden. Solidarität“, zunächst mit einer mehrstündigen Auftaktkundgebung, an der sich im weiteren Verlauf rund 8500 Personen beteiligten. Mit dieser Teilnehmeranzahl setzte sich der Aufzug gegen 19:20 Uhr zum Endplatz Südstern in Bewegung, wobei gleich zu Beginn pyrotechnische Gegenstände und sogenannte Nebeltöpfe gezündet wurden. Im unmittelbaren weiteren Verlauf zündete auch eine als Ordner erkennbare und eingesetzte Person eine Pyrotechnikbatterie. Auf Höhe des Rio-Reiser-Platzes mussten die Einsatzkräfte den sogenannten Schwarzen Block innerhalb des sonst störungsarmen Aufzuges seitlich begleiten. Vorausgegangen war ein bedrohlich wirkendes Auftreten, das Anlegen von Vermummungsgegenständen sowie das Zünden von Nebeltöpfen und Leuchtfackeln. Darüber hinaus hatte der mittels seitlich miteinander verknoteter Transparente umschlossene Block das Lauftempo so deutlich verlangsamt, dass ein Anschluss an den vorderen Teil des Aufzuges nicht mehr möglich war. In Absprache mit der Versammlungsleitung musste die Aufzugsspitze mehrere Male angehalten werden, um die weiteren, noch in Kreuzberg verbliebenen Blöcke wieder heranzuführen. Der Aufzug war zwischenzeitlich mit großen Lücken weit auseinandergerissen. Zwischen dem Rio-Reiser-Platz und der Skalitzer Straße wurden Polizeidienstkräfte unter anderem mit Flaschen beworfen, wodurch eine Dienstkraft leicht verletzt wurde. Auf Bitten des Versammlungsleiters wurde nach Zustimmung durch den Polizeiführer die Aufzugstrecke dahingehend verändert, dass nun von der Pannierstraße nach rechts auf die Sonnenallee abgebogen wurde. Über den Herrmannplatz erreichte der Aufzug gegen 23 Uhr den Südstern. Nach einer Abschlusskundgebung wurde der Aufzug dort von der Versammlungsleitung kurz vor Mitternacht beendet. An der Versammlung nahmen in der Spitze bis zu 11.000 Personen teil.
Während des Abstroms der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Endplatz mussten die Einsatzkräfte insgesamt neun Freiheitsbeschränkungen durchführen, unter anderem nach dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen, tätlichem Angriff auf Vollzugsbeamte und Landfriedensbruch. Hierbei wurde eine Einsatzkraft an der Schulter verletzt und in ein Krankenhaus verbracht. Die Einsatzkräfte wendeten unmittelbaren Zwang in Form von Schieben und Drücken sowie Festlegetechniken an. Den Aufzug betreffend mussten insgesamt 18 Freiheitsbeschränkungen bzw. Freiheitsentziehungen durchgeführt und 28 Strafermittlungsverfahren eingeleitet werden.
Insgesamt führten die Einsatzkräfte die gesamte Versammlungslage betreffend 87 Freiheitsbeschränkungen bzw. Freiheitsentziehungen durch und leiteten 121 Strafermittlungsverfahren ein. Darunter Verfahren wegen des Verdachts des Landfriedensbruches und schweren Landfriedensbruches, des tätlichen Angriffes auf Vollzugsbeamte, der einfachen und gefährlichen Körperverletzung, sexueller Belästigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und der Beleidigung.
Im gesamten Einsatzgeschehen sind insgesamt 15 Einsatzkräfte verletzt worden, wobei eine Einsatzkraft ihren Dienst nicht fortsetzen konnte.
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p style=“font-weight: 400;“>Die Polizeipräsidentin, Frau Dr. Barbara Slowik Meisel, bekräftigt zur Einsatzbilanz: „Unsere über Jahrzehnte immer weiter fortentwickelte und ausdifferenzierte Strategie der Deeskalation hat sich erneut bewährt: Zurückhaltung, wenn es uns nicht braucht, enge Begleitung, wenn Straftaten drohen, konsequentes Eingreifen, wenn Straftaten begangen werden.“

