Berlin - Hauptstadt

Personalräte der Berliner Theater leiten juristische Schritte gegen Kultursenatorin ein / ver.di warnt vor Mitbestimmungsabbau an Berliner Theatern

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert die konsequente Missachtung der Mitbestimmungsrechte der Personalvertretungen der Berliner Theater durch die Senatskulturverwaltung und der zuständigen Senatorin Sarah Wedl-Wilson.

Durch die Personalräte der Theater wurden im September 2025 per Initiativantrag Vorschläge zur Zukunft der Theaterwerkstätten eingebracht, nachdem Ausgliederungspläne bekannt geworden waren. Diese hätten durch die Senatsverwaltung beantwortet werden müssen. Kultursenatorin Wedl-Wilson hat die Vorschläge jedoch ignoriert. Das stellt nach Einschätzung von ver.di, den Personalräten der Berliner Landestheater und des Berliner Hauptpersonalrates einen Verstoß gegen das Mitwirkungsrecht nach §90 Ziff.4, § 84 Abs.1, Abs.2 PersVG Berlin dar. 

Deshalb hat der Personalrat nun Klage vor dem Verwaltungsgericht Berlin eingereicht, um eine Feststellung der Verletzung des Mitwirkungsrechtes zu erreichen.

„Trotz früherer Zusagen zu Transparenz und Beteiligung wurden zentrale Entscheidungen ohne jeden ernsthaften Dialog und Beachtung der Mitbestimmungsrechte getroffen. Insofern ist es eine folgerichtige Entscheidung der Personalräte, ihre Beteiligungsrechte nun auch juristisch einzufordern. Konstruktive Vorschläge aus den Häusern – etwa zur gemeinsamen Nutzung von Werkstätten und Probebühnen – wurden ignoriert. Das ist eine Form von Kulturpolitik die das Vertrauen und die Arbeitsbeziehungen an den Theatern dauerhaft beschädigt.“ so Andrea Kühnemann, ver.di Landesbezirksleiterin für Berlin-Brandenburg

Hintergrund der Gewerkschaftskritik ist die Veröffentlichung eines Hintergrundpapiers durch den Personalrat des Maxim Gorki Theaters, das die Vorgänge rund um die geplante Ausgliederung der Berliner Landestheater (LHO-Theater) umfassend darlegt.

Aus Sicht von ver.di drohen durch die geplante Ausgliederung der Werkstätten massive Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Insbesondere die mögliche Verlagerung von Leistungen in den Bühnenservice birgt erhebliche Risiken: Verlust tariflicher Standards und Beschäftigungsabbau, zusätzliche Kosten durch Umsatzsteuer und Mieten sowie gravierende Einschränkungen der künstlerischen Produktionsabläufe. Eigene Erfahrungen und Erhebungen aus den Häusern zeigen, dass externe Lösungen nicht günstiger, sondern häufig teurer und weniger flexibel sind.

Theater sind Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Tarifgebundene, integrierte Werkstätten sind keine überflüssigen Kostenfaktoren, sondern Voraussetzung für Qualität, künstlerische Freiheit und faire Arbeitsbedingungen.

Die Gewerkschaft fordert den Senat auf, die Ausgliederungspläne sofort zu stoppen, die Beteiligungsrechte der Beschäftigten zu respektieren und gemeinsam tragfähige Lösungen für die Zukunft der Berliner Theater zu entwickeln.

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