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Städtepartnerschaft zwischen Werder (Havel) und Siegburg besiegelt

Besiegelung einer deutsch-deutschen Städtepartnerschaft an der früheren Grenzübergangsstelle Marienborn
 
Bis 1989 trennten sich hier die Welten – 2025 ist es eine Hochzeitslocation. Am Samstag, 4. Oktober 2025, besiegeln Werder (Havel), märkische Kleinstadt vor den Toren Berlins, und die rheinische Kreisstadt Siegburg in der Gedenkstätte Marienborn bei Helmstedt hochoffiziell ihre deutsch-deutsche Städtepartnerschaft.
 
Eine Siegburger Delegation legt für den Anlass 400 Kilometer in den Osten zurück und trifft an der A2, kurz hinter Helmstedt, auf die Freunde von der Havel, die 200 Kilometer in den Westen aus Werder angereist sind. Bürgermeisterin Manuela Saß und Bürgermeister Stefan Rosemann unterzeichnen dort die Urkunden und setzen damit ein Zeichen für Zusammenhalt in einer Zeit, in der Europa wie auch Deutschland vor großen Herausforderungen stehen.
 
Die Vorgeschichte – verbindende Kraft des Karnevals
 
Der Siegburger Karnevalsverein Husaren Schwarz-Weiß pflegte schon in den 1980er Jahren Kontakte zum Karnevalsclub Werder / Havel (KCW). Auf dieser Basis entstand Anfang der 1990er Jahre die Siegburger Verwaltungsaufbauhilfe für Werder. Der 1997 geschlossene Freundschaftsvertrag gab den gewachsenen Beziehungen einen lockeren Rahmen, getragen von vielen persönlichen Kontakten.
 
Zwei Männer der ersten Stunde, der damalige Stadtdirektor Dr. Konrad Machens und Hauptamtsleiter Heinz-Dieter Gessner, reisen nach Marienborn und berichten als Zeitzeugen von den turbulenten Aufbaujahren. „Wir haben uns auf die Vielzahl drängender Probleme, die akut zu lösen waren, gestürzt, nicht zurückgeschaut. Wir sind dort bis heute gern gesehen“, berichtet Dr. Konrad Machens über die gemeinsame Arbeit in Werder nach der Wende.
 
Werner Große: „Kontakt war ein Glücksfall“
 
Auf Werderaner Seite ist der Bürgermeister a.D. und Ehrenbürger Werner Große dabei und hebt hervor, dass der Kontakt zu Siegburg in den 1990er-Jahren ein Glücksfall gewesen sei. „Nach 40 Jahren Sozialismus befand sich Werder in einem erbarmungswürdigen Zustand. Die Stadt musste neu aufgebaut, die Verwaltung nach neuen Maßstäben ausgerichtet werden. Die Unterstützung aus Siegburg war dabei unverzichtbar und stets auf Augenhöhe: Sie haben beraten, wir haben entschieden. Vieles, was wir in Werder erreicht haben, verdanken wir Siegburg.“
 
Ein Teilfächennutzungsplan, eine Sanierungssatzung, ein Marketingkonzept, ein Verkehrsentwicklungsplan, eine Tourismuskonzeption und nicht zuletzt das Modellprojekt „Gemeindeforum Havelseen“ wurden in den ersten Nachwendejahren mit Siegburger Unterstützung auf den Weg gebracht. Teilweise wurden damit mehr Fördermittel eingeworben als in der Landeshauptstadt Potsdam, und der erste soziale Wohnungsbau Brandenburgs wurde auf den Weg gebracht.
 
Heute, 35 Jahre nach den ersten Kontakten, knüpfen beide Städte an diese gemeinsame Geschichte an – und setzen zugleich ein Zeichen für die Zukunft.
 
Zitate der Bürgermeister
 
„Gerade jetzt müssen wir zeigen, dass europäische Einheit nicht nur auf Papier existiert, sondern auch in echten Beziehungen gelebt wird – vor allem zwischen Städten, die sich seit der Wende kennen und vertrauen“, sagt Stefan Rosemann, Bürgermeister der Kreisstadt Siegburg. „Unsere europäische Partnerschaft deutscher Städte steht für Zusammenhalt, Offenheit und Freundschaft – als Gegenpol zu den Spaltungstendenzen unserer Zeit.“
 
„Die Wiedervereinigung brachte Unsicherheit, aber auch Chancen – und aus Siegburg kam schnelle Hilfe, die uns den Weg in die Selbstverwaltung erleichterte“, erklärt Bürgermeisterin Manuela Saß. „In Marienborn besiegeln wir diese Partnerschaft, schlagen den Bogen von damals – und nach 35 Jahren ‚wilder Ehe‘ heiraten wir nun endlich offiziell. Damit bekennen wir uns zu Beständigkeit und Vertrauen – Werte, die heute wichtiger sind denn je.“

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